Das Ding mit der Endlichkeit (#031 im TTG Podcast)

Steve Jobs hat sich jeden Morgen vorm Spiegel eine Frage gestellt:
„Wenn heute der letzte Tag meines Lebens wäre, würde ich das tun wollen, was ich heute tue?“

Genau diese Frage habe ich euch in meiner Instagram-Story gefragt. Ich habe gefragt, ihr habt geantwortet und kurz darauf war ich geschockt!

Leute, wir müssen reden!!

Ich habe mich dazu entschieden dieses Thema nicht nur im Podcast (Folge #031: Das Ding mit der Endlichkeit), sondern auch hier auf der Website in unserem Blog zu thematisieren. Ich weiß, dass einige nicht gerne zuhören, aber dafür gerne lesen und ich möchte, dass du nächstes Mal, wenn ich diese Frage stelle, mit „JA“ antworten kannst bzw. du eine Idee davon bekommst, wie du es schaffst dahin zu kommen, dass du „JA“ sagen kannst!

Die Frage ist so einfach, wie sie wichtig ist. Nach kürzester Zeit, die sie in meiner Story bei Instagram war, zeichnete sich in euren Antworten eine ganz klare Tendenz ab – NEIN!

Ehrlich gesagt, hat mir das echt ein bisschen den Atem verschlagen.. Warum nein? Also ernst gemeint: WIESO NEIN?

Genau darum soll es heute gehen. Ich möchte dieses Thema aus einer anderen Sicht beleuchten und dir mal für etwas die Augen öffnen, von dem ich nicht sicher bin, ob du darüber schon einmal auf diese Art und Weise nachgedacht hast.

Ich glaube, dass ganz viele von uns völlig verschobene Ansprüche an ein geiles Leben und vor allem an den letzten Tag haben.

Ich erzähle dir mal von meiner Traumvorstellung von Sterben bzw. von meinem letzten Tag:
Stell dir mal so einen richtig geilen Sommertag vor. Ich bin mit allen Menschen, die ich liebe und je geliebt habe, allen, denen ich nochmal was sagen möchte, die ich nochmal umarmen möchte usw. zusammen. Ein jeder von uns ist noch richtig fit. Ehrlich gesagt, sehe ich uns alle ziemlich jung. Jung sterben möchte ich übrigens nicht.
Wir sind auf dieser einzigartigen Lichtung zusammengekommen. Die Sonne steht tief und färbt alles in diesen wunderschönen und warmen Farben. Die Musik ist laut, das Gelächter ist lauter und irgendwann ist der Moment gekommen und ich habe mit dem letzten Menschen, gesprochen. Ich konnte mir auf dieser Party genügend Zeit nehmen, um mit jedem einzelnen Menschen zu reden. Vielleicht, um einander Mut zusprechen,  oder um nochmal richtig miteinander zu lachen, um einander zu verzeihen und um Abschied zu nehmen.
Und dann mache ich mich auf meine Reise – die letzte Reise meines Lebens. Während die Sonne untergeht, gehe ich in einem wunderschönen weißen Kleid – übrigens tragen alle weiß – auf eine Brücke zu. Was hinter der Brücke liegt kann ich nicht erkennen. Da ist nur Licht. Wunderschönes, glitzerndes Licht. Meine Füße berühren den ersten Teil der Brücke und Schritt für Schritt gehe ich auf ihr weiter. Auf der Mitte angekommen, kurz vor meinem Eintritt in das Licht, drehe ich mich nochmal um. Ich lächle, winke und strahle über mein ganzes Gesicht.. und ich rufe „War ein geiler Ritt, wir sehen uns auf der anderen Seite!“. Dann ist es soweit und ich gehe meinen letzten Schritt auf dieser Welt und ich trete in das Licht ein. 

Wenn du mich fragst, wie der perfekte Tag wäre, um zu sterben, dann wäre er wohl so, wie ich ihn dir eben beschrieb. Schöne Vorstellung, oder?

Ich kann dir eines sagen: So wird es nicht passieren!

Wusstest du, dass ganz viele Menschen auf dem Klo sterben? Kein Scherz! Als ich in meinem Studium ein Praktikum bei der Polizei gemacht habe, sind wir auf Streife durch eine Wohnsiedlung gefahren, als ein Kollege auf ein Haus zeigte und sagte „Da haben wir neulich eine Leiche gehabt. Der ist beim Kacken gestorben. Auch witzig, ne?“

Und die Frage ist: WÄRST DU FEIN DAMIT? WÄRE DAS FÜR DICH IN ORDNUNG AUF DEM KLO ZU STERBEN?

Deine Antwort sollte nun bestenfalls „JA“ lauten. Warum?
Weil jede Situation deines Lebens gut genug sein sollte, um dich von diesem Teil des Lebens zu verabschieden. Wir wissen nicht was danach passiert und das ist sicher ein anderes Thema, aber egal was ist, egal wo du gerade bist, oder mit wem du gerade bist und was du gerade tust: Sorge dafür, dass du okay damit wärst, jetzt zu sterben, wenn du müsstest.

Weißt du, keiner von uns weiß, wann der Moment gekommen ist. Ich auch nicht. Ich will es auch ehrlich gesagt gar nicht wissen. Aber wenn ich jetzt sterben würde, also nicht, dass ich das will, bei Gott ich hab noch richtig viele Sachen, die ich erleben und tun will und hoffentlich auch darf  (zB lieben). Aber wenn ich müsste, wenn ich jetzt sterben müsste und es durch Zufall wüsste, dann wäre das glaube ich okay.
Weißt du warum? Ich habe gelebt. Ich habe mein Leben gelebt. 27 geile Jahre lang. Alles, was ich bis hierher getan habe würde ich genau so wieder machen. Ich sitze hier und bin einfach nur stolz!

Ich bringe jeden Tag etwas in die Welt, das mich richtig stolz macht. Bei dem ich froh bin, das tun zu können und zu wissen, dass das andere Leben bereichert hat. Das macht mich richtig glücklich. Und sollte es dann so sein, dass ich seit Tagen ungeduscht vorm Laptop sterbe, dann ist das eben so. Vielleicht fahre ich auch mit 180 Sachen auf der Autobahn in den Tod und mein letztes Wort wird „FUCK“ sein. Ja, das wäre nicht das beste letzte Wort und ich würde mir ein anderes wünschen, aber was willst du machen?

Lass mal ein bisschen Realität in deinen Kopf! Gerade im Bezug auf den Tod, macht das unendlich frei!

Weißt du, wir müssen uns mal von diesen Illusionen lösen. Davon lösen, dass der letzte Tag oder Moment unseres Lebens was ganz großes wird. Wahrscheinlich ist es nämlich so, dass der letzte Moment, nicht der Knaller sein wird.
Und wenn du mich fragst, ob ich Angst davor habe, dann kann ich dir sagen, dass ich neinen heiden Respekt davor habe. Und ja, auf Rosen gebettet mit allen drumherum, die wir lieben, die uns sagen wie sehr sie uns lieben zu sterben, wäre sicher schöner. Aber was ist, wenn du dir erlaubst, den Moment, in dem du jetzt bist aus jeder Perspektive heraus anzunehmen. Auch aus der Perspektive des Sterbens.

Der Schlüssel in der Frage, liegt meiner Meinung nach nicht darin, dass es gerade der perfekte Moment ist. Vielmehr liegt er in all dem, was du außerhalb dieses Moments tust. In dem, was du jeden Tag tust. Immer und immer wieder!

Liebst du deinen Job? Machst du das gerne? Nein? Dann ändere ihn!
Wissen die Menschen, die du liebst, dass du sie liebst? Nein? Sags ihnen einfach mal. Dazu musste nicht jeden Tag n Roman schreiben oder 3 Stunden mit ihnen telefonieren – wer hat denn Zeit für sowas? Aber sag es ihnen mal. Lass sie das mal fühlen.
Wohnst du an einem Ort, an den du gerne zurückkehrst? Nein? Dann zieh um! Was hält dich denn zurück außer dir selber?

Wenn du es schaffst, dein Leben ganzheitlich auf eine Ebene zu bringen, auf der du es geil findest, dann wird sich auch die Antwort auf die Frage ändern. Und wenn du diese Frage schon jetzt jeden Tag aus vollstem Herzen mit „JA“ beantworten kannst, dann sei ein Vorbild für andere und erlaube dir, diese Message weiter in die Welt zu bringen!

deine Gina